Freitag, 3. September 2010
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Christa Müllers Rückfall oder alte und neue Gestrige Drucken E-Mail
Debatte um Betreuungsplätze für Kinder unter drei

kinderbetr Immer wenn unklar ist, wie der Weg nach vorn weitergehen soll, treten einige den Rückweg an. Das kennzeichnet gerade die Debatte um Betreuungsplätze für Kinder unter drei und die Gegenoffensive aus dem konservativ-klerikalen Lager – und, besonders delikat, auch die Debatte in der Linkspartei/WASG, ausgelöst durch die Thesen von Christa Müller, Landesvorstandsmitglied im Saarland und Ehefrau von Oskar Lafontaine, gegen den Kita-Ausbau und für die alten Frauen- und (unausgesprochen auch) Männerrollen. Motto: Kinder unter drei sind am besten bei Mutti aufgehoben. Erfolgreich wird mit dem Zerrbild des kalte Staats gearbeitet, der die noch so Kleinen aus der wohligen familiären Nestwärme herausreiße, Kinder werden „fremdbetreut“ und „wegorganisiert“. Dies verfängt, weil in der Tat eine verantwortliche, d.h. kindgerechte Auflösung des Vereinbarkeitsproblems allein über öffentliche Kinderbetreuungsangebote nicht glaubhaft zu machen ist. Alleinerziehende (und das sind auch viele Verheiratete) werden selbst beim besten Betreuungsangebot nur teilzeit arbeiten können. Wenn auch abgemildert, das Vereinbarkeitsdilemma bleibt.

Um es aufzulösen müssen neben guten öffentlichen Betreuungsangeboten zwei weitere Bedingungen erfüllt werden: erstens die Arbeitswelt muss familienfreundlicher werden. Stattdessen werden Arbeitszeiten verlängert und dereguliert (Arbeiten ohne Ende) – Themen zu denen Frau von der Leyen beredt schweigt. Und zweitens müssen die Väter ran. Sie müssen ihren entlastenden Beitrag in der Familie leisten, von Anfang an. Ein Meilenstein auf diesem Weg ist das neue Elterngeld. Mit immerhin 67% des letzten Nettoeinkommens ermöglicht es auch vielen Männern Elternzeit zu nehmen. Obsessive Politiker wie Vater Oskar Lafontaine hätte auch dieses Angebot nicht erreicht, aber Hunderttausende junge Väter werden es nutzen, weil sie nicht weiter nur den Arbeitsmann spielen wollen. Wer allerdings mannhaft wie die Linksfraktion im Bundestag das neue Elterngeld als neuerliche Umverteilungsaktion von unten nach oben bekämpft, sollte sich über Christa Müller nicht wundern. Wem Rollenveränderung und Geschlechterdemokratie Nebensache sind, der muss sich dann im Alten einrichten - wie Frau Müller: Väter hinaus ins feindliche Leben und für Frauen dann wenigstens Hausfrauenlohn. Und wer Mutti zu einem richtig entlohnten Beruf machen will, der bekämpft natürlich die Konkurrenz der Kitas - und findet sich dann plötzlich als Linksparteilerin in einem Boot mit ehemaligen Tagesschausprecherinnen und kastrierten Katern.

Werner Sauerborn 

 
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